66 Tage mariner Hitzewelle vor Helgoland, gemessen bis zum 1. September. Das ist die Nordsee, nicht das Mittelmeer.
23.09.2026
Bild: ExtremWetterKongress
In der Session „Ocean Change“ beim #ExtremWetterKongress ging es um die Frage, wie sich der Ozean vor unserer Haustür verändert, und wo die Datenlage dafür schon eindeutig ist.
Tim Kruschke (Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie) zeigte beides: In der Nordsee nimmt der Salzgehalt seit diesem Jahr zwar wieder zu, allerdings gibt es derzeit noch kein klares Klimaänderungssignal. Bei der Temperatur dagegen ist das Bild klar: seit 1969 eine Erwärmung der Nordsee-Oberfläche um 1,4 Grad im Jahresmittel und eine Häufung der Extrema.
Beim Meeresspiegel betont er: Das ist kein Zukunftsthema. An der Nordseeküste sind seit 1900 bereits 25 bis 30 Zentimeter Anstieg messbar und er wird noch weiter Jahrhunderte steigen. Sein Satz dazu: Ein Meter höherer Meeresspiegel sei keine Frage mehr, ob, sondern wann.
Rebecca Hummels (GEOMAR) ordnete die Atlantikzirkulation AMOC ein. Modelle und IPCC gehen von einer sehr wahrscheinlichen Abschwächung im Lauf des Jahrhunderts aus. Die Messungen des GEOMAR zeigen an zwei 8.000 Kilometer entfernten Punkten ein ähnliches Signal. Für das Erkennen eines langfristigen Trends sind jedoch kontinuierliche Messdaten über einen längeren Zeitraum wichtig.
In der anschließenden Diskussion beschrieb Helge Heegewaldt, Präsident des BSH, die doppelte Belastung der Nordsee durch Klimawandel und zunehmende Nutzung. Offshore-Wind trägt derzeit 6 % zur Stromerzeugung bei, rund 10 Gigawatt Leistung, die sich in den nächsten 20 Jahren versiebenfachen soll. Umso wichtiger sei der geordnete Ausgleich zwischen Nutzung und Schutzgebieten.
Prof. Dr. Maarten Boersma (Alfred-Wegener-Institut) machte auf ein übersehenes Thema aufmerksam: Winter-Hitzewellen im Meer sind für Menschen unkritisch, für marine Ökosysteme aber erheblich.
Außerdem sagte Arved Fuchs: ,,Klimawandel werde zu abstrakt behandelt”, und verweist auf die Menschen, die Veränderungen erleben, aber oft keine Lobby für ihre Existenzgrundlage noch Infrastruktur haben.
Mareike Keller (GEOMAR) stellte die neue Meteor vor, die die alte Meteor und die 2019 außer Dienst gestellte Poseidon ersetzen soll. Highlights sind präzise regelbare Klimakammern und ein Antriebssystem, das Seegang ausgleicht. In die Meteor sind zwar viele Gelder geflossen, aber Arved Fuchs hält abschließend fest: „Jeder Euro, der für die Forschung ausgegeben wird, ist gut investiert.
