Eröffnungspressekonferenz: Rekordsommer 2026 – Was sagen Expert:innen dazu?

23.09.2026

Bild: ExtremWetterKongress

Der 16. ExtremWetterKongress begann mit der Eröffnungspressekonferenz. Der Deutsche Wetterdienst stellte sein jährliches Extremwetter-Faktenpapier vor, das Alfred-Wegener-Institut berichtete über ein neues Muster im arktischen Meereis, und mit Jones Lang LaSalle SE saß ein Akteur auf dem Podium, der auf dem Kongress bislang selten vertreten war: die Immobilienwirtschaft. Zusammen ergab sich ein Bild, in dem die meteorologischen Befunde eindeutiger sind als die Frage, wer die Konsequenzen daraus zieht.

Tobias Fuchs (Deutscher Wetterdienst) stellte das aktuelle Faktenpapier vor. Die erste intensive Hitzewelle setzte bereits Mitte Juni ein und dauerte elf Tage. Eine DWD-Attributionsstudie zeigt: Der Klimawandel erhöht Wahrscheinlichkeit und Intensität solcher Hitzewellen. Das RKI schätzt für diesen Sommer über 16.000 Todesfälle infolge von Hitze. Die Niederschlagsmenge hingegen wird vermutlich im 4-jährigen Mittel über große Regionen bei uns annähernd gleich bleiben. Allerdings verschieben sich die Niederschlagsmuster infolge der globalen Erwärmung, was zu mehr Starkregen und längeren Trockenphasen führt. Dies hat erhebliche Folgen auf die Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung.

Gesine Mollenhauer (Alfred-Wegener-Institut) machte nochmal deutlich, dass sich die Arktis 3-4 mal stärker erwärmt als der Rest der Welt. Zudem zeigte sie, dass sich in der Arktis nicht nur die Eisfläche verringert, sondern auch ein neues Muster etabliert: sehr dickes Eis im Westen, stark fragmentiertes Eis im Osten. 

Helge Scheunemann (JLL) brachte mit einer neuen Studie eine weitere Perspektive ein: Befragt wurden 87 Investor:innen und 20 kommunale Klimaanpassungsmanager:innen. In der Studie hat sich herausgestellt, dass die Investor:innen und Klimaanpassungsmanager:innen die wachsenden Risiken durch den Klimawandel unterschiedlich wahrnehmen. Um die Klimaanpassungsmaßnahmen in Städten und Kommunen zu beschleunigen, müssen bessere Kooperationsstrukturen zwischen Kommunen und Immobilienwirtschaft geschaffen werden. Denn „Extremwetter kennt keine Grundstücksgrenzen.“

Sven Plöger (Meteorologe und Buchautor) richtete den Blick auf die Kommunikation: Die Befunde seien seit Jahrzehnten bekannt, die Schritte nach vorn aber zu langsam. Damit Zahlen wie die über 16.000 Hitzetoten dieses Sommers nicht abstrakt bleiben, brauche es Einordnung statt Wiederholung. Aus seiner Sicht entsteht der Raum für Zweifel an wissenschaftlichen Befunden vor allem dort, wo Wissen fehlt und Unsicherheit herrscht. Seine Mahnung an die Kommunikation: „Realitätsverweigerung ist oft keine physikalisch gute Idee.“

Frank Böttcher (Tagungspräsident) machte deutlich, wo aus seiner Sicht der eigentliche Engpass liegt: Genehmigungs- und Finanzierungsprozesse müssen so schnell werden wie der Klimawandel selbst. Sein Bild dafür: Statt lange zu diskutieren, ob da hinten wirklich ein Löwe steht, sei es Zeit zu handeln, denn „der Löwe ist da, er schaut uns an“.

Was wir aus der Eröffnungspressekonferenz mitnehmen: Die Datenlage ist eindeutig, der Engpass liegt in der Umsetzung. Genau darum geht es in den kommenden Kongresstagen. Wir freuen uns auf die Sessions und die Erkenntnisse, die daraus entstehen.

Weiteres dazu finden Sie in der Pressemitteilung des ExtremWetterKongress und die Veröffentlichungen der Institutionen: https://extremwetterkongress.org/presse/