Bild: ExtremWetterKongress
Wie wird aus einem extremen Naturereignis eine Katastrophe? Und wer trägt die Kosten, wenn Klimaschutz und Klimaanpassung verzögert werden?
Die zweite Klima-Presse-Konferenz des ExtremWetterKongresses brachte dazu vier Perspektiven zusammen: den neuen WeltRisikoBericht, die Schadensbilanz, die soziale Verteilung der Klimafolgen und die Frage, wie über all das berichtet werden kann, ohne dass Menschen abschalten.
Risiko ist kein Schicksal.
Dr. Katrin Radtke und Dr. Ilona Auer Frege stellten offiziell den neuen WeltRisikoBericht vor und verdeutlichten: Ob aus einem extremen Naturereignis eine Katastrophe wird, entscheidet die Verwundbarkeit einer Gesellschaft. China hat beispielsweise sein Risiko in 25 Jahren durch gezielte Investitionen fast halbiert, in Ländern mit anhaltenden Konflikten steigt es messbar.
„Nicht Klimaschutz ist teuer. Teuer ist das Nichthandeln.“
Claudia Kemfert (DIW Berlin) erklärte, dass über 145 Milliarden Euro Klimaschäden in Deutschland zwischen 2000 und 2021 entstanden, der Extremsommer 2026 allein 36 bis 42 Milliarden Euro verursachte. Der Nutzen von Klimaschutz und Anpassung übersteigt die Kosten um den Faktor 1,8 bis 4,8. Ihre energiepolitische Konsequenz: schnellerer Ausbau der Erneuerbaren samt Speichern, Lastmanagement und smarten Netzen.
,,Betroffen sind alle, aber nicht alle gleich.”
Luisa Neubauer (Fridays for Future) erinnerte: Im Ahrtal traf es überproportional Menschen mit Behinderung und Menschen ohne festen Wohnsitz. International trifft es Länder wie Nepal, die kaum zur Klimakrise beigetragen haben. Dies zeigt: Betroffen von der Klimakrise sind zwar alle, aber nicht alle gleich. Zudem kritisierte sie den Umgang mit den Hitzetoten diesen Sommers: kein einziges Regierungsstatement – dabei seien Schweigen und Relativieren ihrer Einschätzung nach die wirksamsten Instrumente gegen notwendige Maßnahmen. Ausdrücklich wandte sie sich gegen Resignation: Anzunehmen, es sei ohnehin zu spät, sei „das größte Geschenk“ an jene, die vom “Weiter-so” profitieren.
Wie sollte der Klimawandel kommuniziert werden?
Anika Heck (Psychologists /Psychotherapists for Future) stellte den Medienleitfaden Klima vor: Menschen weichen der Klimaberichterstattung nicht aus, weil ihnen das Thema egal ist, sondern weil sie sich danach schlecht und allein fühlen. Drei Empfehlungen: Relevanz der Klimakrise beständig zeigen, ausgelöste Gefühle aufgreifen, konstruktive Bewältigungsmöglichkeiten aufzeigen.
Abschließend betonte Tagungspräsident Frank Böttcher, dass die Energiewende kein Thema der Ideologie mehr, sondern eines der nationalen Sicherheit ist.
Weiteres finden Sie in der Pressemitteilung des ExtremWetterKongress und die Veröffentlichungen der Institutionen: https://extremwetterkongress.org/presse/
