Bild: ExtremWetterKongress
Peter Friemert (eaD) beschrieb im Panel „Wege zur Lösung: Gebäude im Klimawandel“ zunächst die ernüchternde Lage: Kommunen stehen unter wachsendem finanziellen Druck – durch Sozialhaushalte, Kita- und Schulbau und die Sanierung ihrer Infrastruktur. Gleichzeitig haben Städte ihre Klimaziele gekippt oder verschoben, darunter Mannheim, Jena und Bottrop.
Doch Friemert wollte nicht bei Forderungen stehen bleiben, sondern zeigen, wo Klimaanpassung konkret vorankommt. Die Beispiele reichen von eigenen Zuständigkeiten und Stabsstellen über Gebührenmodelle bis zu interkommunaler Zusammenarbeit und zeitlich befristeten Projektfinanzierungen. Freiburg hat Klimaanpassung in die Stadtentwicklung integriert, Leipzig eine Stabsstelle beim Oberbürgermeister eingerichtet. In der Sächsischen Schweiz und im Erzgebirge haben sich vier Landkreise für eine gemeinsame Stabsstelle zusammengeschlossen. Andere Kommunen nutzen Gebühren oder zunächst extern finanzierte Projekte, um dauerhafte Strukturen aufzubauen.
Daniel Willeke (BVKS) ergänzte ein Beispiel aus Baden-Württemberg: Dort wurde das Klimaanpassungsgesetz zweistufig umgesetzt und die personelle Ausstattung entsprechend finanziert.
Die Beispiele zeigen: Klimaanpassung braucht klare Zuständigkeiten, verlässliche Finanzierung und dauerhafte Strukturen. Die Wege dorthin sind unterschiedlich – entscheidend ist, Klimaanpassung dauerhaft in der Verwaltung zu verankern und Erkenntnisse in konkrete Umsetzung zu überführen.
Ein weiterer Begriff des Vormittags: Scheinsicherheit. Kevin Morbach (IANUS Simulation) simulierte Fälle, in denen eine Schutzmauer zu kurz oder zu niedrig war. Investiert wurde – geschützt war trotzdem niemand. Simulationen können zeigen, wo eine Maßnahme stehen und wie groß sie sein muss, damit Investitionen tatsächlich Wirkung entfalten. So wird aus Risiko und Unsicherheit konkrete Handlungssicherheit.
Irene Seemann (Rebel Deutschland) sieht das Problem im Weg zur Klimaanpassung. Sie forderte einfachere Förderstrukturen: „Ich würde mir wünschen, dass für Förderung, die es gibt, für Klimafolgen, Anpassung ob für Kommunen oder Unternehmen, die Antragsformulare, der Antragsprozess und der ganze Aufwand drumherum schlanker wird. So kommen mehr auf die Straße.“
Jonathan Ulrich (Leuphana Universität Lüneburg) zeigte, wie Attributionsforschung konkrete Extremwetterereignisse mit dem abstrakten Klimawandel verknüpfen kann. Seine Umfrageergebnisse zeigten zudem: Kommunale Klimamanager:innen reagieren offenbar empfindlicher auf wissenschaftliche Unsicherheitsintervalle als die Bevölkerung insgesamt.
Marc Braun (FiW an der RWTH Aachen) berichtete schließlich aus einem Forschungsprojekt mit Duisburg, das Klimarisiken mithilfe von Daten und Modellen ganzheitlich bewertete und Entscheidungsgrundlagen für die kommunale Klimaanpassung entwickelte.
Was nehmen wir mit?
Klimaanpassung braucht Wissen, belastbare Entscheidungsgrundlagen und Geld. Vor allem aber braucht sie konkrete Wege in die Umsetzung. Und dafür lohnt der Blick auf die Kommunen, in denen es bereits funktioniert.
Vielen Dank an alle Teilnehmer:innen für die spannenden Beiträge.
