Der Rekord-El Niño könnte den Schiffsverkehr im Panamakanal stoppen.

23.09.2026

Bild: ExtremWetterKongress

Der aufziehende El Niño ist nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes das bei weitem stärkste Ereignis im Zeitraum der regulären Beobachtung. Was das konkret bedeuten kann, machte Dr. Andreas Becker, Leiter der Abteilung Klimaüberwachung beim DWD, beim ExtremWetterKongress an einem Beispiel deutlich: am Panamakanal.

Eine Wirkungskette, die in Beobachtungsdaten sichtbar ist

Wo ein El Niño wirkt, lässt sich ohne Modellrechnung zeigen. Das Weltzentrum für Niederschlagsklimatologie stellt Monatsmittel der Niederschläge seit 1891 bereit. Korreliert man diese Daten mit dem ENSO-Index, treten die sensitiven Regionen klar hervor. Dazu gehören Mittelamerika und das nördliche Südamerika, und damit die Region des Panamakanals.
Dort greifen zwei Entwicklungen ineinander. Der Klimawandel erhöht ohnehin den Verdunstungsdruck. Kommt ein starker El Niño hinzu, fällt der Kanal nach Beckers Einschätzung so trocken, dass der Durchsatz von Handelsschiffen massiv eingeschränkt oder vollständig gestoppt wird.

Warum das auch Deutschland betrifft

Die El-Niño-Sensitivität Deutschlands ist grundsätzlich erst einmal schwach. Die direkten Auswirkungen auf unser Wetter sind gering, und der heiße Sommer in Europa hatte nichts mit dem beginnenden El Niño zu tun. Über die globalisierte Wirtschaft entsteht die Betroffenheit trotzdem. Nach den Ereignissen 2015/16 und 2023/24 waren die Auswirkungen auf die Lebensmittelpreise auch hierzulande massiv, und der aktuelle El Niño übertrifft beide deutlich.
Ein gestörter Panamakanal ist dafür das anschaulichste Beispiel: eine Dürre in Mittelamerika, die sich als Engpass in Lieferketten und als Preis im Supermarkt bemerkbar macht.

“Über die Globalisierung der Ökonomie und die Folgen des Klimawandels bekommt Deutschland da indirekt eben auch eine zunehmende El-Niño-Sensitivität.”, Dr. Andreas Becker.