Extreme Hitze – und unser Gesundheitssystem ist nicht darauf vorbereitet.

24.09.2026

Bild: ExtremWetterKongress

Extreme Hitze belastet das Gesundheitssystem entlang der gesamten Versorgungskette: Menschen erkranken, Rettungsdienste fahren häufiger Einsätze, Krankenhäuser geraten an Belastungsgrenzen und Pflegekräfte arbeiten unter zusätzlichen gesundheitlichen Risiken.

Die Session „Extreme Hitze als Gesundheitsrisiko“ auf dem ExtremWetterKongress hat diese Kette systematisch betrachtet.

1. Die Todeszahlen sind nur die Spitze.

Max Bürck-Gemassmer macht deutlich, dass den über 16.000 hitzebedingten Todesfällen dieses Sommers stehen Hunderttausende ernsthaft Erkrankte gegenüber. Zudem zeigen Studien, dass 20-25 % des Personal selbst gesundheitliche Probleme haben.

2. Hitze ist ein Kostenfaktor und lässt sich in Einsatzzahlen messen.

Daniel Kruppke-Hansen (FU Berlin) erklärt: Neun Tage Hitzewelle Ende Juni bedeuteten in Berlin rund 3.000 zusätzliche Einsätze, dies sind etwa 23 % mehr Rettungsdiensteinsätze und etwa 1,1 Millionen Euro an Kosten.

3. Krankenhäuser sind auf Extremhitze nicht vorbereitet.

Dr. med. Anne Hübner (KliMeG) stellt die Ergebnisse aus einem Krisenstabs-Workshop an der Charité vor: Es ist nicht geregelt, wer eine Hitzekrise ausruft und beendet. Schnittstellen müssen geklärt werden.

4. Ein auf Taktung ausgelegtes Pflegesystem trifft auf ein dynamisches Gesundheitsrisiko.

Sarah Fliesgen (DBfK) betont das Problem, dass ein auf Minutentaktung ausgelegtes Versorgungssystem auf ein dynamisches Gesundheitsrisiko reagieren muss. Hitzeschutz für Pflegekräfte heißt bislang oft: kurz in den Supermarkt, kaltes Getränk kaufen – also, kein ausreichender Schutz für Pflegekräfte.

5. In der Krise ist unklar, wer führt.

Jonas Gerke (KLUG e.V.) berichtet von dem Workshop mit dem Gesundheitsamt Frankfurt am Main und betont, Hitzeschutz im Krisenfall braucht nicht nur Maßnahmen, sondern vorbereitete Strukturen: klare Zuständigkeiten, funktionierende Kommunikation, ein gesundheitliches Lagebild und erreichbare vulnerable Gruppen.

Wo liegen die Hebel?

In der anschließenden Diskussion wurde nochmal deutlich, dass Hitzeschutz nicht nur eine medizinische, sondern auch eine Frage von Daten, Zuständigkeiten und Infrastruktur ist.

Selina Böhle (BKK-Landesverband NORDWEST) machte darauf aufmerksam, dass Krankenkassen wichtige Daten für die kommunale Hitzevorsorge liefern könnten, aber diese aus Datenschutzgründen aber leider nicht entsprechend nutzen dürfen.

Karsten Schwanke (ARD) und Frank Dzukowski (UKE) lenkten den Blick auf die Gebäude: Viele Strukturen und Normen sind nicht auf die heutigen Hitzebelastungen ausgelegt.

Und ein letzter Punkt wurde besonders deutlich: Wirksamer Hitzeschutz muss nicht immer teuer sein. Der Blick nach Frankreich zeigt, welche Rolle nationale Hitzeschutzpläne, kommunale Ansprache und organisierte Nachbarschaftshilfe spielen können.

Danke für die konstruktiven Diskussion und für die Moderation von Max Bürck-Gemassmer (KLUG e.V.).