Von der Modellrechnung bis zum Deich: Wie Klimaprojektionen in der Praxis ankommen
23.09.2026
Bild: ExtremWetterKongress
Fünf Vorträge in einer knappen Stunde – die Session „Extremwetter als lokale Risikogröße“ zeigte eine Kette, die selten zusammen erzählt wird: vom Forschungsministerium über das Klimamodell und die Fachbehörde bis zur Stadtverwaltung, die daraus Bemessungswasserstände ableitet.
Christian Alecke (Bundesforschungsministerium) zeigte, wie fein Klimamodelle werden: von rund 80 Kilometer Gitterweite über die Kilometerskala bis perspektivisch etwa 150 Meter. Erst das erlaubt Aussagen zu Starkregen und Dürre vor Ort. Im Reallabor “R2K-Klim+” Duisburg nutzen Verwaltung und Hafen daraus bereits ein Entscheidungsunterstützungssystem. Im Ministerium wird zudem eine messbare Abwanderungsbewegung von Forschenden aus den USA wahrgenommen, die sich allerdings weltweit verteilt und nicht allein nach Europa richtet. Parallel dazu laufen Bemühungen, Daten und Datensätze amerikanischer Forschungseinrichtungen zu sichern.
Nora Leps (Deutscher Wetterdienst) erklärte, wie aus vielen Simulationen abgestimmte Referenzensembles werden, gemeinsam mit Partnerbehörden in Bund und Ländern. Der Punkt dabei: Alle Ebenen sollen mit derselben Datengrundlage arbeiten.
Bart Jan Davidse (BUKEA Hamburg) machte den Praxistest: Die Hamburger Klimaanpassungsstrategie umfasst elf Handlungsfelder und 230 Einzelaufträge. Klimaprojektionen fließen in Bezirkskonzepte, in die Strategien der öffentlichen Unternehmen und in die Bemessungswasserstände des Küstenhochwasserschutzes ein.
Enno Nilson (Bundesanstalt für Gewässerkunde) ordnete das Niedrigwasser 2026 ein: Solche Niedrigwasser ist zwar noch nicht das neue Normal, jedoch war es in den Abflussreihen ein Extrem gewesen. Der Klimawandel zeigt sich klar an anderer Stelle: Der früher übliche, von Schnee und Eis getriebene Entstehungsweg findet heute kaum noch statt.
Miriam Wagner-Jacht (Deutscher Wetterdienst) zeigte, was Attributionsforschung heute leisten kann. Sie vergleicht ein konkretes Extremwetterereignis in unserer Welt mit derselben Situation in einer Welt ohne menschengemachten Klimawandel und beziffert so den Unterschied in Häufigkeit und Intensität. Ergebnis für die Juni-Hitzewelle: Sie fiel rund drei Grad wärmer aus als ohne Klimawandel.
Die Kette von der Forschung in die Anwendung funktioniert, sie ist nur selten sichtbar. Gut aufbereitete, abgestimmte Daten sind die Voraussetzung dafür, dass Kommunen überhaupt planen können. Und nüchterne Einordnung gehört dazu: Auch wenn die Antwort einmal „nein, noch nicht das neue Normal“ lautet.
